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August 2004 - Konsolidierung zeigt erste Erfolge, aber die Lage ist weiterhin schwierig
1. Verlauf und Ergebnis des Geschäftsjahres 2003
In seiner Sitzung vom 16.08.2004 genehmigte der Aufsichtsrat der Städtischen
Wohnungsgesellschaft Pirna mbH (WGP) den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2003.
Die WGP blickt auf ein Geschäftsjahr zurück, das von der Einleitung eines
Konsolidierungsprozesses durch die neu berufene Geschäftsführung bestimmt wurde.
Bei wesentlichen Indikatoren konnte eine positive Trendumkehr erreicht werden.
Insgesamt ist die Lage der Gesellschaft jedoch weiterhin als schwierig und angespannt
zu bezeichnen.
Auch in Pirna stehen im großen Umfang Wohn- und Gewerbeflächen leer. Bei der WGP betrug
der Leerstand zum Bilanzstichtag wie im Vorjahr ca. 22 %. In den vermietbaren Beständen
lag der Leerstand bei ca. 10 % der Mietflächen. Der restliche Leerstand betrifft Objekte,
die wegen schwebender Restitutionsverfahren verbunden mit schlechtem baulichen Zustand,
nicht mehr vermietbar sind bzw. die abgerissen oder verkauft werden sollen und deshalb
nicht mehr vermietet werden. Dieser hohe Leerstand hat wesentliche Auswirkungen auf die
wirtschaftliche Lage der WGP. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist mit einer
Entspannung bis auf weiteres nicht zu rechnen.
Trotz dieser ungünstigen Ausgangsbasis geht die Geschäftsführung davon aus, dass die
Gesellschaft nach Umsetzung der eingeleiteten Konsolidierung in den nächsten Jahren
in der Lage sein wird, ihre Existenz langfristig zu sichern. Zentrale Steuerungsgröße
ist dabei die Liquidität. Höchste Priorität hat der Abbau der Verschuldung. Andere
Aspekte werden diesen Zielgrößen untergeordnet, jedoch ohne die Substanz der
Gesellschaft und damit die Entwicklungspotentiale zu gefährden.
Im Rahmen des eingeleiteten Konsolidierungsprozesses führt die WGP Gespräche mit ihren
kreditgebenden Banken über eine Neustrukturierung des Darlehnsportfolios. Durch die
Umschuldung von Darlehn mit zurzeit sehr hoher Tilgung und weitere Schritte soll eine
Entlastung der Liquidität erreicht werden. Der Erfolg dieser Bemühungen ist maßgeblich
für die Konsolidierung der WGP.
Zu ausgewählten Detailaspekten des Jahresabschlusses
Das Geschäftsjahr schließt mit einem Fehlbetrag von 2,7 Mio. € (Vj. 28,8 Mio. €) ab.
Obwohl sich die WGP auch im Jahr 2003 deutlich in der Verlustzone bewegte, war dieser
Wert besser als ursprünglich kalkuliert.
Die erlösten Ist-Mieten stiegen 2003 geringfügig auf 18,8 Mio. € (Vj. 18,7 Mio. €.).
Durch den Leerstand gingen der WGP Mieterlöse in Höhe von ca. 3,5 Mio. € verloren.
Außerdem musste die WGP Betriebskosten von ca. 0,8 Mio. € für leer stehende Wohnungen
tragen.
Insgesamt 5,4 Mio. € (Vj. 7,6 Mio. €) wurden für die laufende Instandhaltung
bestehender Objekte aufgewendet. Davon entfielen 3,2 Mio. € (Vj. 4,6 Mio. €) auf
Schäden infolge des Hochwassers 2002; dieser Aufwand wurde weitgehend durch
Versicherungsentschädigungen bzw. Fördermittel kompensiert. Die Folgen der Flut sind
zwischenzeitlich beseitigt; erforderlich sind nur noch Nacharbeiten an einzelnen
Objekten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WGP haben mit einem großen
persönlichen Einsatz dazu beigetragen, die flutbedingten Schäden so gering wie
möglich zu halten und so schnell wie möglich zu beseitigen. Die WGP dankt auch den
betroffenen Mietern für ihre Mitwirkung und ihr Verständnis in der schwierigen Zeit
nach der Flut. Es sei auch darauf hingewiesen, dass sich die Versicherungsgesellschaft
Helvetia und die Sächsische Aufbaubank bei der Schadensregulierung sehr fair und sehr
konstruktiv verhalten haben.
Die Personalaufwendungen betrugen 2,1 Mio. € (Vj. 2,7 Mio. €); der Vorjahreswert war
wesentlich durch Sondereffekte beeinflusst. Am Bilanzstichtag waren wie im Vorjahr
insgesamt 63 Personen in der WGP beschäftigt; dieser Wert beinhaltet auch Auszubildende,
geringfügig Beschäftigte, Mitarbeiter in der Ruhephase der Altersteilzeit und
Mitarbeiterinnen im Mutterschutz bzw. Elternzeit. Der aktiven Kernbelegschaft sind
50 Mitarbeiter (Vj. 50) zuzuordnen. Die Belegschaft der WGP hat durch den Abschluss
einer Betriebsvereinbarung, die auch die Aussetzung der tariflichen Gehaltserhöhungen
beinhaltet, bereits im zweiten Jahr hintereinander einen Beitrag zur Konsolidierung
der Gesellschaft geleistet.
Die Sonstigen betrieblichen Aufwendungen (allgemeine Verwaltungsaufwendungen) sanken
deutlich auf 1,5 Mio. € nach 2,0 Mio. € im Vorjahr.
Der Aufwand für Zinsen konnte deutlich auf 9,4 Mio. € (Vj. 9,9 Mio. €) gesenkt werden.
Diese Reduzierung resultiert aus dem Abbau der Verschuldung und Maßnahmen zum
Kreditmanagement. Allerdings ist die Zinsquote mit 50 % der erlösten Ist-Mieten immer
noch erheblich zu hoch (Vj. 53 %).
Die Bilanzsumme, das heißt die Summe aller in der Gesellschaft gebundenen Vermögenswerte,
reduzierte sich 2003 hauptsächlich durch den Jahresfehlbetrag und den Abbau von
Verbindlichkeiten auf 272,5 Mio. € nach 282,3 Mio. € im Vorjahr.
Im Berichtsjahr konnte eine Reduzierung der Verbindlichkeiten gegenüber den
Kreditinstituten auf 182,1 Mio. € (Vj. 187,4 Mio. €) erreicht werden. Der Abbau
der Verschuldung soll auch in den nächsten Jahren im Rahmen der Leistungsfähigkeit
der WGP fortgesetzt werden.
Das Eigenkapital ging durch den Jahresfehlbetrag von 59,4 Mio. € im Vorjahr auf
56,9 Mio. € zurück. Die Eigenkapitalquote betrug zum Bilanzstichtag 21 % (Vj. 21 %).
Die Eigenkapitalquote der WGP ist gegenwärtig als zu niedrig anzusehen.
Immobilienbestand, Investitionen und Stadtumbau Ost
Zum Bilanzstichtag verfügte die WGP über einen Bestand von 7.437 Wohnungen mit
einer vermietbaren Fläche von 407.027 m² und 185 Gewerbeeinheiten mit 21.921 m²
Mietfläche. Ferner befanden sich 1.654 Stellplätze für PKW und 656 Garagen im
Bestand. Die WGP ist damit das größte Wohnungsunternehmen in der Sächsischen Schweiz.
Die Investitionstätigkeit der WGP war von äußerster Zurückhaltung geprägt. Die
Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudeensembles Lange Straße 38 a in der Pirnaer
Altstadt wurde Anfang August 2004 fertig gestellt; die ersten Mieter ziehen im September
ein.
Einzelne unsanierte Objekte sollen mittelfristig verkauft werden.
Im Rahmen des Stadtumbaus Ost wird auch die WGP Objekte abreißen, die nicht mehr
dauerhaft wirtschaftlich verwertbar sind. Erste Abrisse von ruinösen Objekten sind für
das Jahr 2004 geplant; dafür und für weitere Vorhaben im Jahr 2005 liegen
Fördermittelbescheide bereits vor. Die Abrisse in den Jahren 2004 und 2005 betreffen
ruinöse Objekte in Stadt-randlagen.
Für die Jahre ab 2006 wird auch der Abriss von Objekten erwogen, die in den 1990ger
Jahren saniert wurden. Vorgesehen sind dafür die Objekte Remscheider Straße 3 a
(frühestens 2006) und Remscheider Straße 60/61 (nach dem Jahr 2008).
Endgültige Entscheidungen da-zu stehen noch aus.
Die WGP wird ihren Bestand in allen Teilen der Stadt Pirna in den nächsten Jahren weiter
entwickeln und vor allem stärker diversifizieren:
- An einzelnen Gebäuden sollen Balkone und Aufzüge nachgerüstet werden. Im Herbst
2004 erfolgt der erste Einbau eines Aufzuges in ein fünfgeschossiges Gebäude im
Bereich Varkausring; weitere Maßnahmen dieser Art sind geplant.
- Durch Änderung von Grundrissen sollen am Markt besser angenommene Einheiten
realisiert werden. Mehrere Wohnungen wurden in den letzten Monaten so umgebaut.
- 2003 wurden erste Wohnungen für Auszubildende der Hotelfachschule Sonnenstein
eingerichtet. Dieses Angebot wurde inzwischen durch die vorübergehende Bereitstellung
von 61 Ein-Raum-Wohnungen im Objekt Remscheider Straße 3 a deutlich erweitert. Es ist
vorgesehen, in etwa zwei bis drei Jahren eine dauerhafte Unterbringung der
Auszubildenden in einem anderen Objekt im Sonnenstein zu ermöglichen.
- Die Palette an Ferien- und Gästewohnungen wird wegen der guten Nachfrage in der
gesamten Stadt schrittweise erweitert.
- Die Angebote für alters- und behindertengerechtes Wohnen werden ausgebaut. Erste
Musterwohnungen sollen im Verlauf der nächsten Monate im Objekte Varkausring 2 a
errichtet werden.
- Auch die Ansiedlung von nicht störendem Gewerbe in bisher als Wohnungen
genutzten Einheiten wird angestrebt.
Ausblick
Für die WGP wurde im Jahr 2003 ein Konsolidierungskurs eingeschlagen, um die
Existenz der Gesellschaft dauerhaft sichern und mittelfristig auch wieder Spielräume
für eine aktive Entwicklung der Immobilienbestände erschließen zu können. Nach den
zum Teil gravierenden Fehlentwicklungen der Vorjahre innerhalb der WGP und in
Anbetracht der größten Krise der deutschen Wohnungswirtschaft seit dem Bestehen der
Bundesrepublik wird es jedoch mehrere Jahre dauern, bis die Erfolge greifbar werden.
Für das Geschäftsjahr 2004 rechnet die Geschäftsführung der WGP mit einem
Jahresfehlbetrag in ähnlicher Höhe wie 2003. Maßgebend für die weitere Entwicklung der
Gesellschaft ist der Erfolg des eingeleiteten Konsolidierungsprozesses. Die
Geschäftsführung ist zuversichtlich, dass die Konsolidierung gelingen wird und die
WGP als größtes Wohnungsunternehmen in der Sächsischen Schweiz gestärkt aus der
jetzigen Krise hervorgehen kann.
2. Marketing und Kundenorientierung
Die WGP hat seit dem letzten Jahr verschiedene Aktivitäten eingeleitet, um die
Kundenorientierung zu verbessern:
- Im Kundenzentrum Altstadt/Süd (Gerichtsstraße 5) wurde ein neuer
Beratungsbereich geschaffen.
- Die Fläche des Kundenzentrums Copitz/Graupa (Robert-Klett-Ring 4) wurde
verdoppelt und es wurde ein neuer Beratungsbereich eingerichtet.
- Auf dem Sonnenstein wurde ein neues Kundenzentrum im Gebäude Remscheider Straße
1 a errichtet.
- Die Kundenzentren wurden personell verstärkt; die Vermietung kann jetzt direkt
vor Ort erfolgen.
- Die Öffnungszeiten der Kundenzentren wurden dem Bedarf der Kunden angepasst.
- Die WGP hat ihr Corporate Design modernisiert und tritt damit erfolgreich auf.
- Werbeplanen, Flyer, die StadtUmbauZeitung, das Sponsoring von Sportveranstaltungen
und anderen Events sowie verschiedene andere Aktionen erzielten eine positive
Resonanz bei den Kunden.
- Mit dem am 12.06.2004 erstmalig durchgeführten WGP-City-Lauf präsentierte sich
die WGP als Veranstalter und Namensgeber eines Sportevents, der zukünftig jährlich
durchgeführt werden soll.
- Die WGP arbeitet mit der PTV - Fernseh- und Multimediagesellschaft mbH
zusammen, die das Magazin "Unterwegs in Pirna und Umgebung" auf Dresden-Fernsehen
produziert. Neben verschiedenen Werbespots wurden auch redaktionelle Beiträge über
die Arbeit der WGP gesendet. In der von der WGP gesponserten Serie "Verstecktes
entdecken" werden Baudenkmale aus der Pirnaer Altstadt präsentiert.
- Beim Stadtfest war die WGP mit einer "party-lounge@wgp" im Hof des Kundenzentrums
Altstadt/Süd, die vorwiegend auf Jugendliche ausgerichtet war, und einer Bastelstraße
für Kinder in der Langen Straße 38 a präsent. Beide Veranstaltungen wurden sehr gut
angenommen.
- Mit einer Sonderaktion "Junges Wohnen" konnten bisher 25 Wohnungen an Jugendliche
vermietet werden. Diese Aktion, wie die "party-lounge@wgp" und andere Werbemaßnahmen,
dienten dazu, die Bekanntheit und das Image der WGP bei Jugendlichen, die in
absehbarer Zeit eigene Haushalte gründen, deutlich zu verbessern.
Für den Herbst plant die WGP eine Sonderaktion für Familien, vor allem solche mit
mehreren Kindern. Die WGP verfügt vor allem in Copitz und auf dem Sonnenstein über
familienfreundliche Wohnungen und ein entsprechendes Wohnumfeld, das in den Mittelpunkt
dieser Werbeaktion gerückt werden soll.
Für 2005 ist eine völlige Neugestaltung des Internet-Auftrittes geplant; zurzeit werden
dafür noch geeignete Partner gesucht.
Insgesamt wird die WGP ihre Marketingaktivitäten intensivieren und zielgruppengenauer
ausrichten.
3. Die Bildung einer Städtischen Holding mit Beteiligung der WGP
Der Stadtrat der Großen Kreisstadt Pirna hat am 30.03.2004 beschlossen, die Service-
und Beteiligungsgesellschaft Pirna mbH (SBP) als städtische Holding zu gründen. Unter
dem Dach dieser Gesellschaft werden die Mehrheitsanteile an den städtischen
Gesellschaften vereinigt. Die beteiligten Unternehmen bleiben dabei rechtlich
selbständig und führen ihre Geschäfte wie bisher in eigener Verantwortung.
Durch die Vertiefung der Zusammenarbeit und die Nutzung von steuerlichen Vorteilen
sollen schrittweise Synergiepotentiale erschlossen werden.
Die Umsetzung des Konzeptes der Konzernbildung steht unter dem Vorbehalt der
Zustimmung durch die zuständige Kommunalaufsichtsbehörde.
Die beiden Geschäftsführer der WGP, Matthias Armbruster und Jürgen Scheible, wurden
vom Stadtrat auch zu Geschäftsführern der Holdinggesellschaft SBP gewählt, die sie
gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Pirna GmbH, Olaf Schwarze, führen
werden.
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